Jura-Referendariat in Brandenburg: Die Anwaltsstation und Examensvorbereitung
Das Wichtigste in Kürze:
- Referendare können den Stationsgeber in der Anwaltsstation frei auswählen. Die meisten Referendare aus Brandenburg verbringen die Anwaltsstation in einer Kanzlei in Berlin.
- Es ist üblich, die letzten Monate der Anwaltsstation vollständig mit dem Lernen zu verbringen (sog. Tauchen).
- Brandenburg bietet für die Examensvorbereitung insbesondere zwei Probeexamen an. Dazu können Referendare am Berliner Klausurenkurs teilnehmen.
Arbeitsgemeinschaft & eigenständiges Lernen
Die Anwaltsstation beginnt in Brandenburg nicht mit einem Einführungslehrgang. Damit unterscheidet sich die Anwaltsstation von der Zivil-, Straf- und Verwaltungsstation, die jeweils mit einem einwöchigen Einführungslehrgang angefangen haben.
Die Arbeitsgemeinschaft der Anwaltsstation war in zwei Teile aufgeteilt. Der erste Teil hat sich dem Zivilrecht und der zweite Teil dem Öffentlichen Recht gewidmet.
- Inhalt: Die Arbeitsgemeinschaften haben sich jeweils mit den Grundlagen der Anwaltsklausur beschäftigt. Die Arbeitsgemeinschaft hat einen hohen Klausurfokus, sodass viele Fälle gelöst werden und die Arbeitsgemeinschaften primär das Ziel verfolgen, dass Referendare in der Lage sind, Examensklausuren zu lösen.
- AG-Leiter: Mehrere Referendare aus Brandenburg haben uns über ihre sehr motivierten AG-Leiter berichtet. Während also in den meisten Bundesländern die AG-Leiter in der Anwaltsstation nur wenig hilfreich sind, ist dies in vielen Fällen in Brandenburg anders. So sind viele AG-Leiter fachlich sehr kompetent und leiten die Arbeitsgemeinschaft strukturiert, mit dem Ziel, eine bestmögliche Klausurvorbereitung zu ermöglichen.
- Zeit: Die Arbeitsgemeinschaft nach der Einführungswoche findet üblicherweise an einem Tag in der Woche für mehrere Stunden am Vormittag statt.
- Klausuren: Ein Vorteil der Arbeitsgemeinschaft besteht darin, dass stationsbegleitende Klausuren angeboten werden. Damit besteht die Möglichkeit, das gelernte Wissen praktisch anzuwenden. Allerdings ist die Bewertung häufig ein bisschen wohlwollender als im Examen.
Praktische Ausbildung in der Anwaltsstation
Referendare können den Anwalt bzw. die Kanzlei, bei der die Ausbildung erfolgt, selbstständig auswählen. Entsprechend hängt die Ausgestaltung der Anwaltsstation maßgeblich von der Kanzlei, dem Rechtsgebiet und dem konkreten Ausbilder ab. Folgende Aspekte sollten Referendare bezüglich der Anwaltsstation im Blick haben:
- Unternehmen: In der Anwaltsstation haben Referendare in Brandenburg die Möglichkeit, bis zu drei Monate der Station in einem Unternehmen zu verbringen. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass es in Unternehmen eher unüblich ist, zu tauchen. Wenn man also die Anwaltsstation teilweise in einem Unternehmen verbringt, sollte man die Stationen so organisieren, dass man trotzdem ausreichend Zeit für die Examensvorbereitung hat. Dies geht zum einen dadurch, dass man in den verbleibenden sechs Monaten der Anwaltsstation nur sehr wenig arbeitet. Das kann dadurch gelingen, dass man eine Kanzlei findet, in der man nur ein oder zwei Monate arbeiten muss. Solche Angebote sind insbesondere dann möglich, wenn man in der Kanzlei bereits als wissenschaftlicher Mitarbeiter gearbeitet hat oder eine persönliche Beziehung zu einem Anwalt besteht.
- Ausland: Es besteht auch die Möglichkeit, bis zu drei Monate der Station im Ausland zu verbringen. Es ist allerdings sehr ungewöhnlich, in der Anwaltsstation ins Ausland zu gehen. Die meisten Referendare versuchen in der Anwaltsstation die freie Zeit zu nutzen, um sich auf das Staatsexamen vorzubereiten. Entsprechend fehlt die Zeit, eine Auslandsstation zu planen. Wenn Referendare ins Ausland gehen möchten, ist es üblich, die Wahlstation für eine Auslandsstation zu nutzen.
Welche Angebote gibt es zur Vorbereitung auf das Staatsexamen?
Zur Vorbereitung auf das schriftliche Examen gibt es den Berliner Klausurenkurs, den auch Referendare aus Brandenburg nutzen können. Beim Berliner Klausurenkurs wird alle zwei Wochen eine Klausur online hochgeladen. Eine Woche später wird dann die Lösungsskizze veröffentlicht. Der Klausurenkurs selbst beinhaltet keine Lösung der Klausuren, es ist allerdings möglich, die Klausur über den Personalrat korrigieren zu lassen. In einem solchen Fall müssen dann Referendare für die Lösung der Klausur selbst bezahlen (Kosten: circa 15 € pro Klausur). Referendare erhalten außerdem Zugang zum Archiv des Berliner Klausurenkurses, sodass Referendare Zugriff auf einen umfangreichen Fundus an Altklausuren haben.
Außerdem gibt es in Brandenburg zwei Probeexamen. Im Rahmen der Anwaltsstation werden zweimal für zwei Wochen unter Examensbedingungen Klausuren geschrieben. Die Probeexamen sind sehr hilfreich, um Klausurpraxis zu sammeln und einen Eindruck von den Belastungen im Examen zu erhalten. Die Bewertung der Klausuren erfolgt durch die AG-Leiter, sodass die Noten teilweise deutlich wohlwollender waren, als sie im Examen gewesen wären. Dies sollten Referendare im Blick haben, um die eigenen Fähigkeiten realistisch einschätzen zu können.
Was sollte man zum Examen in Brandenburg wissen?
Grundsätzlich ist es in Brandenburg gestattet, im Gesetz bzw. in Kommentaren Markierungen vorzunehmen. Es ist außerdem erlaubt, Klebezettel im Gesetz einzukleben. Auch ist es zulässig, dass die Klebezettel ein System haben, sodass es etwa möglich ist, alle Anspruchsgrundlagen mittels eines Klebezettels zu markieren.
Für Referendare, die in Berlin leben, aber in Brandenburg das Referendariat absolvieren, besteht teilweise die Möglichkeit, die Klausuren in Berlin zu schreiben. Das hat den Vorteil, dass man „zu Hause“ schreibt, also keine Wohnung bzw. kein Hotel für die Zeit des Examens benötigt.
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