Jura-Referendariat in Brandenburg: Die Zivilstation
Das Wichtigste in Kürze:
- Die Zivilstation beginnt mit einem einwöchigen Einführungslehrgang.
- Referendare sollten unbedingt parallel zur Arbeitsgemeinschaft eigenständig lernen. Die Arbeitsgemeinschaft reicht für die Examensvorbereitung nicht aus.
- Referendare sollten zu Beginn der Zivilstation die weiteren Stationen planen, um ausreichend Auswahl zu haben.
Dauer und Inhalt des Einführungslehrgangs
Die Zivilstation beginnt – wie auch jede weitere Station – mit einem einwöchigen Einführungslehrgang. Der Einführungslehrgang in der Zivilstation wird von einem Richter des jeweiligen Ausbildungsgerichts geleitet. Der Einführungslehrgang führt in die Grundlagen des Zivilprozesses ein. Die Arbeitsgemeinschaft findet grundsätzlich ausschließlich in Präsenz statt. Auch wenn die meisten Referendare in Brandenburg in Berlin leben, besteht nur in ganz seltenen Ausnahmefällen die Möglichkeit, dass die Arbeitsgemeinschaft online stattfindet.
- Umfang: Der Einführungslehrgang findet an vier Tagen von jeweils 9 Uhr bis circa 15/16 Uhr statt.
- Inhalt: Der Einführungslehrgang behandelt die absoluten Grundlagen des Zivilprozesses. Es wird beispielsweise behandelt, wie ein Urteil geschrieben wird, wie der Urteilsstil funktioniert usw. Aufgrund der kurzen Dauer des Lehrgangs ist es nicht möglich, mehr Themen in dem Lehrgang zu behandeln. Entsprechend ist der Lehrgang vorrangig dafür gut, dass man die Themen bereits einmal gehört und einen knappen Gesamtüberblick bekommen hat.
Arbeitsgemeinschaft und eigenständiges Lernen
Nach dem Einführungslehrgang beginnt die Stationsarbeit sowie die parallel laufende Arbeitsgemeinschaft. Die Arbeitsgemeinschaft findet wie auch der Einführungslehrgang ausschließlich in Präsenz statt. Die Arbeitsgemeinschaft wird von dem gleichen Richter geleitet, der auch den Einführungslehrgang geleitet hat, und findet einmal in der Woche statt (circa von 9 bis 14 Uhr). Auch die Gruppe der Referendare ändert sich nicht.
- Inhalt der Arbeitsgemeinschaft: In der Arbeitsgemeinschaft erfolgt die theoretische Ausbildung, welche die praktische Ausbildung bei den Gerichten begleitet. Es werden alle relevanten Aspekte des Zivilprozesses angerissen (z. B. das Mahnverfahren, der Urkundenprozess, die Beweiserhebung usw.). Die Ausbildung ist recht theoretisch, das bedeutet, dass es in der Arbeitsgemeinschaft weniger darum geht, zu lernen, wie das gelernte Wissen in Klausuren angewendet wird. Auch werden typische Klausurprobleme teilweise nicht behandelt.
- Qualität: Die Arbeitsgemeinschaft eignet sich sehr gut, um einen ersten Überblick über die Materie zu erhalten. Die Qualität der Arbeitsgemeinschaft hängt maßgeblich davon ab, wer die Arbeitsgemeinschaft leitet. Selbst bei engagierten Arbeitsgemeinschaftsleitern ist es allerdings nicht möglich, mehr als einen umfassenden Überblick in der Arbeitsgemeinschaft zu vermitteln. Dazu erhalten Referendare die gleichen Skripte und weiteren Unterlagen, die auch Referendare in Berlin erhalten. Diese Unterlagen dienen allerdings auch vorrangig als Einstieg in die Materie. Beispielsweise hat das Skript zum Zivilrecht ca. 30 Seiten, was offensichtlich nicht ausreicht, um die Materie vollständig abzudecken.
- Klausuren: Innerhalb der Arbeitsgemeinschaft werden mehrere Klausuren geschrieben. Die Klausuren werden zu Hause geschrieben, teilweise hatten Referendare auch über eine Woche Zeit für die Bearbeitung. Außerdem sollten Referendare berücksichtigen, dass die Bewertung der Klausuren ein bisschen wohlwollender als im Examen ausfällt.
- Anwesenheitspflicht: Für Referendare gilt eine Anwesenheitspflicht bei der Arbeitsgemeinschaft. Wenn sich Referendare regelmäßig krankmelden, wird eine Attestpflicht angeordnet, sodass es nicht sinnvoll ist, sich zu Beginn zu häufig krankzumelden.
- Eigenständiges Lernen: Da es sich bei der Arbeitsgemeinschaft nur um einen Einstieg in die Materie handelt, ist es empfehlenswert, bereits während der Zivilstation anzufangen, eigenständig zu lernen. Je später Referendare anfangen, eigenständig zu lernen, desto stressiger wird die Tauchphase. Entsprechend würden wir empfehlen, bereits frühzeitig mit dem Lernen anzufangen. Grundsätzlich sind die Kaiserskripte zum Zivilprozessrecht sehr empfehlenswert, da die Skripte den zu lernenden Stoff gut zusammenfassen und recht kompakt sind.
Praktische Ausbildung
Die praktische Ausbildung erfolgt in Berlin – wie überall – bei Zivilrichtern der Amts- oder Landgerichte. Insbesondere die Amtsgerichte können wirklich „im Nirgendwo“ sein, sodass sich Referendare auf lange Fahrtwege einstellen sollten. Referendare haben allerdings die Möglichkeit, Präferenzen anzugeben, ob die Ausbildung lieber am Amts- oder Landgericht erfolgen soll sowie bezüglich des Orts des Gerichts.
Arbeitsbelastung während der Zivilstation
Für die praktische Arbeit fallen üblicherweise 4 Tage Arbeit in der Woche an. Für die Arbeitsgemeinschaft und das eigenständige Lernen ca. ein bis zwei Tage in der Woche, sodass die Arbeitsbelastung, sofern man von Anfang an eigenständig lernt, bei 5 bis 6 Tagen in der Woche liegt. Dazu kommt, dass ein bis zwei Lerntage häufig nicht ausreichen, um den Stoff vollständig zu erlernen und Klausuren zu schreiben. Wer also schon zu Beginn umfassend lernen möchte, sollte in Erwägung ziehen, Abstriche bei der praktischen Arbeit zu machen.
Planung der weiteren Stationen
Fast alle Referendare in Brandenburg verbringen die Verwaltungsstation in Berlin. Berlin ist als Stadt für Referendare sehr beliebt. Insbesondere für die Verwaltungsstation kommen viele Referendare aus anderen Bundesländern nach Berlin. Deswegen ist es sinnvoll und wichtig, sich so früh wie möglich um die Planung der weiteren Stationen zu kümmern. Insbesondere wer die Verwaltungsstation bei einem Bundesministerium verbringen möchte, sollte sich frühzeitig um einen Platz kümmern.
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