Jura-Referendariat in Brandenburg: Die Verwaltungsstation
Das Wichtigste in Kürze:
- Referendare können die Station auch außerhalb von Berlin und Brandenburg verbringen, allerdings nicht im Ausland.
- Die meisten Referendare verbringen die Station in einem Ministerium in Berlin. Es ist wichtig, sich frühzeitig um die Station zu kümmern, um noch einen Platz zu erhalten.
- Die praktische Ausbildung wird von einer Arbeitsgemeinschaft begleitet, die einen starken Fokus auf die Anforderungen im Examen hat.
Praktische Ausbildung in der Verwaltungsstation
In der Verwaltungsstation steht die praktische Ausbildung im Vordergrund. Referendare können sich in der Verwaltungsstation im Gegensatz zur Straf- und Zivilstation die Ausbildungsstelle selbst aussuchen. Die meisten Referendare aus Brandenburg verbringen die Verwaltungsstation in einem Bundesministerium in Berlin. Wer die Station nicht in Berlin verbringen möchte, kann die Station auch in einer anderen Verwaltung verbringen. Die einzige Restriktion besteht darin, dass die Station innerhalb von Deutschland verbracht wird. Es ist beispielsweise in Brandenburg nicht möglich, die Verwaltungsstation im Ausland (z. B. an einer Deutschen Botschaft im Ausland) zu verbringen.
Empfehlung: Es ist wichtig, sich rechtzeitig um die Verwaltungsstation zu kümmern. Die Ministerien in Berlin sind sehr beliebte Stationsgeber, sodass es wichtig ist, sich frühzeitig zu bewerben. Bestenfalls erfolgen die Bewerbungen bereits zu Beginn des Referendariats.
Im Folgenden eine Liste mit Erfahrungsberichten über Verwaltungsstationen in Berlin:
Referendare haben in der Verwaltungsstation entsprechend sehr viel Auswahl, wir empfehlen, die folgenden Aspekte bei der Auswahl zu berücksichtigen:
- Arbeitsbelastung: Grundsätzlich gilt, dass die Arbeitsbelastung umso höher ist, je dichter eine Behörde an der Politik ist. Eine untergeordnete Kommunalbehörde hat in den meisten Fällen eine deutlich geringere Arbeitsbelastung als ein Bundesministerium. Dazu ist die Zeit im Referendariat knapp, Referendare müssen sich Gedanken machen, wie viel Zeit für das Lernen, die Stationsarbeit usw. zur Verfügung stehen soll.
- Einblicke: Das Referendariat bietet die einzigartige Gelegenheit, Einblicke in Bereiche zu erhalten, die man später nie wieder erhalten wird. Dies gilt allerdings für nahezu alle Bereiche. Entsprechend sollte bei der Auswahl berücksichtigt werden, was einen am meisten interessiert und man schon immer einmal sehen wollte.
- Examen: Theoretisch soll die praktische Ausbildung (auch) auf das Examen vorbereiten. Ob die Vorbereitung in der Praxis auch stattfindet, hängt maßgeblich davon ab, bei welchem Stationsgeber man die Station absolviert. Grundsätzlich gilt, dass die Arbeit bei der Kommunalverwaltung recht examensnah ist, während die Arbeit bei der (höheren) Landes- und Bundesverwaltung wenig Bezug zum Examen hat.
Mehr zur Auswahl der passenden Verwaltungsstation findet Ihr in diesem Beitrag zur Verwaltungsstation.
Dauer und Inhalt des Einführungslehrgangs
Die Verwaltungsstation beginnt in Brandenburg mit einem einwöchigen Einführungslehrgang. Der Einführungslehrgang wird von Mitarbeitern aus der Verwaltung geleitet und ist spezifisch auf die Arbeit von Behörden in Brandenburg zugeschnitten. Viele Arbeitsgemeinschaftsleiter achten darauf, dass die Arbeitsgemeinschaft einen starken Examensbezug hat, etwa indem mehrere Examensklausuren besprochen werden. Im Übrigen vermittelt der Einführungslehrgang einen Überblick über das brandenburgische Landesrecht und auch die Grundzüge zum Verwaltungsaufbau.
Arbeitsgemeinschaft & eigenständiges Lernen
Im Anschluss an den Einführungslehrgang findet parallel zur Stationsarbeit die Arbeitsgemeinschaft statt. Die Arbeitsgemeinschaft findet einmal in der Woche von circa 9 bis 14 Uhr statt. Die meisten Arbeitsgemeinschaften werden von Verwaltungsrichtern geleitet. In Ausnahmefällen passiert es auch, dass Mitarbeiter von Behörden die Arbeitsgemeinschaften leiten.
- Inhalt: Die meisten Arbeitsgemeinschaften haben einen hohen Fokus auf das Staatsexamen. So ist es üblich, dass viele Klausuren bzw. Aktenvorträge besprochen werden, um Referendare gut auf die konkreten Anforderungen im Examen vorzubereiten.
- Qualität: Die Qualität der Arbeitsgemeinschaften schwankt stark zwischen den Arbeitsgemeinschaftsleitern. Uns wurde von einigen Referendaren berichtet, die zwar die vielen Klausuren geschätzt haben, die Arbeitsgemeinschaftsleiter allerdings sehr stark auf die Lösungsskizze fokussiert waren, sodass keine andere Lösung als die in der Lösungsskizze vorgesehene Lösung möglich war.
- Klausuren: Im Rahmen der Station werden mehrere Übungsklausuren geschrieben. Bei den Klausuren handelt es sich grundsätzlich um Altklausuren aus dem Examen. Die Bewertung ist tendenziell etwas wohlwollender als im Examen.
- Eigenständiges Lernen: Man sollte bedenken, dass die Arbeitsgemeinschaft insbesondere das materielle Verwaltungsrecht nicht (vollständig) abdeckt. Für die Examensvorbereitung ist es wichtig, sich eigenständig auf das Examen vorzubereiten. Wer das materielle Verwaltungsrecht wiederholen möchte, sollte sich die „Hauptstadtfälle“ der FU Berlin anschauen. Diese sind zwar eigentlich für das erste Examen konzipiert, helfen dadurch aber gut, um das materielle Verwaltungsrecht aus Berlin zu lernen. Da in Berlin und Brandenburg das gleiche Examen geschrieben wird, eignen sich die Fälle auch für Referendare aus Brandenburg gut.
Arbeitsbelastung in der Verwaltungsstation
Die Arbeitsbelastung hängt in der Verwaltungsstation maßgeblich vom Stationsgeber ab. Die meisten Referendare arbeiten 3 Tage in der Woche beim Stationsgeber. Es gibt auch Stationsgeber, bei denen die Arbeitsbelastung deutlich niedriger ist. Im Gegenzug ist allerdings die Arbeitsbelastung bei Ministerien und höheren Verwaltungsbehörden auch deutlich höher. Für die Arbeitsgemeinschaft und das eigenständige Lernen fallen zusätzlich ca. 2 Tage in der Woche an. Wenn man zusätzlich auch anfangen möchte, Klausuren zu schreiben, dann setzt dies entweder voraus, dass man auch am Wochenende arbeitet oder dass man sich eine entspannte Verwaltungsstation sucht. Hierzu mehr in den Erfahrungsberichten.
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