Jura-Referendariat
Anwaltsstation Thüringen

Jura-Referendariat in Thüringen: Die Anwaltsstation & Examensvorbereitung

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Aktualisiert am 
15.4.2026
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Das Wichtigste in Kürze:

  • Die vierte Station im Referendariat in Thüringen ist die neunmonatige Anwaltsstation.  
  • Während der ersten fünf Monate der Station findet eine Arbeitsgemeinschaft statt, an der Referendare teilnehmen müssen. Die Arbeitsgemeinschaft ist sehr hilfreich und auch gut auf die Anforderungen im Examen zugeschnitten.
  • Befreiungen von der Teilnahmepflicht an der Arbeitsgemeinschaft sind selten. Deshalb verbringen fast alle Referendare die Anwaltsstation bei einer Kanzlei in Thüringen.  
  • Für die Examensvorbereitung wird ein Klausurenkurs angeboten. Referendare müssen 22 Klausuren des Klausurenkurses mitschreiben.

Dauer und Inhalt des Einführungslehrgangs

Wie die vorherigen Stationen beginnt auch die Anwaltsstation mit einem Einführungslehrgang. Die genauen Informationen über den Lehrgang erhält man ein paar Wochen bevor der Lehrgang stattfindet. Der Einführungslehrgang dauert zwei Wochen und behandelt inhaltlich die Grundzüge des Zivilprozessrechts, wobei natürlich ein Fokus auf den anwaltlichen Besonderheiten liegt, und die Grundzüge der Vollstreckung. Aufgrund der teilweisen Überschneidung mit dem Inhalt der Zivilstation, hat der Lehrgang auch einen Wiederholungseffekt.

Arbeitsgemeinschaft & eigenständiges Lernen

Parallel zur Anwaltsstation findet in den ersten fünf Monaten der Station eine Arbeitsgemeinschaft statt. Inhaltlich ist die Arbeitsgemeinschaft sehr hilfreich, verglichen zu einem Kaiserskript ist die Arbeitsgemeinschaft deutlich detaillierter und hilft deswegen sehr bei der Examensvorbereitung. Im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft werden wieder drei Probeklausuren geschrieben, wobei es sich um alte Examensklausuren handelt, und zwei Aktenvorträge gehalten. Viele Referendare haben darüber berichtet, dass Ihre Leiter der Arbeitsgemeinschaft sehr engagiert waren, indem sie etwa Gastvorträge organisiert haben, und insbesondere auch Einzelgesprächen offen gegenüberstanden.

  • Anwesenheitspflicht: Es besteht eine Teilnahmepflicht, auch wenn man die Anwaltsstation in einer anderen Stadt verbringt. Es besteht zwar theoretische die Möglichkeit von der Teilnahme befreit zu werden, dies wird allerdings häufig nicht gewährt. Dadurch wird die Möglichkeit, die Anwaltsstation in einem anderen Bundesland zu verbringen, stark eingeschränkt.
  • Keine Angebote für die Examensvorbereitung: Thüringen bietet im Rahmen des Referendariats kein Examensvorbereitungsprogramm an. Es lediglich ein paar freiwillige Vorbereitungskurse etwa zum Europarecht oder zur Revision.
  • Klausurenkurs: Das einzige für die Examensvorbereitung hilfreiche Angebot ist der Klausurenkurs. Der Klausurenkurs findet ca. 35-mal im Jahr statt, also nicht ganz einmal in der Woche. Es besteht die Pflicht, 22 dieser Klausuren mitzuschreiben. Um sich auf die Examensrealität vorzubereiten, ist der Klausurenkurs grundsätzlich hilfreich. Allerdings sind die Voten häufig sehr kurz und deshalb wenig hilfreich, um die Klausuren nachzubereiten und die eigenen Fehler zu erkennen. Darüber hinaus gibt es auch nicht bei allen Gerichten eine Lösungsskizze, so erhält man etwa beim Landgericht Gera stets eine Lösungsskizze, während man in Erfurt fast nie eine Lösungsskizze erhält. Außerdem hat jedes Gericht einen eigenen Klausurenkurs, sodass man auch nicht über Referendare an anderen Landgerichten an Lösungsskizzen kommen kann.

Praktische Ausbildung

Aufgrund der grundsätzlichen Teilnahmepflicht an der Arbeitsgemeinschaft, welche in Präsenz stattfindet, ist es sehr üblich die Anwaltsstation in Thüringen zu verbringen. Erst wenn die Arbeitsgemeinschaft endet, besteht (theoretisch) die Möglichkeit, die Anwaltsstation in einem anderen Bundesland bzw. im Ausland zu verbringen, allerdings sind dies die letzten Monate vor dem Examen. Wenn man also eine Kanzlei außerhalb Thüringens im Rahmen der Anwaltsstation kennenlernen möchte, hat dies zum Preis, dass die Examensvorbereitung „ausfällt“. Misslich daran ist zusätzlich, dass es in Thüringen nur ein sehr eingeschränktes Angebot an größeren Kanzleien gibt und Frankfurt und Berlin sehr weit entfernt sind. Faktisch muss man deshalb die Station bei einer kleinen Kanzlei in Thüringen verbringen.

Besteht die Möglichkeit die Station aufzuspalten?

Es besteht auch die Möglichkeit, die Anwaltsstation aufzuspalten, allerdings muss jeder Abschnitt mindestens vier Monate lang dauern. Entsprechend ist es sehr ungewöhnlich, die Anwaltsstation aufzuteilen und bei unterschiedlichen Kanzleien zu verbringen. Der häufigste Grund, weshalb Referendare die Anwaltsstation aufteilen, ist, dass eine Anwaltskanzlei das Tauchen verbietet, man allerdings die Station unbedingt bei der Kanzlei verbringen möchte. Dann besteht die Möglichkeit, die Station aufzuteilen und den zweiten Teil bei einem befreundeten Anwalt zu verbringen, wo man vollständig taucht.

Wie hoch ist die Arbeitsbelastung während der Anwaltsstation?

Aufgrund des geringen Konkurrenzdrucks für die Kanzleien, ist es deshalb auch üblich, dass man im Rahmen der praktischen Ausbildung recht viel arbeiten muss. Die Arbeitsbelastung entspricht gemeinsam mit dem Lernaufwand ungefähr dem Arbeitsaufwand der Strafstation.

Gibt es in Thüringen schon das E-Examen?

In Thüringen wird aktuell das E-Examen eingeführt, deswegen muss man ca. drei Monate vor dem Examen auswählen, ob man die Klausuren per Hand oder am Computer schreiben möchte. Folgende Vorteile sprechen dafür, das Examen am Computer zu schreiben:

  • Geschwindigkeit: Die meisten Menschen können deutlich schneller tippen als per Hand schreiben. Entsprechend ist es möglich, im Rahmen der Bearbeitungszeit deutlich mehr zu Papier zu bringen.
  • Form: Getippte Klausuren haben immer eine leserliche Schrift und sind "perfekt" formatiert. Auch wenn die Form offiziell nicht bewertet wird, ist es unstrittig, dass die Form der Klausur die Stimmung des Korrektors beeinflusst.
  • Lösungsskizze: Wer eine Lösungsskizze handschriftlich erstellt, hat den Nachteil, dass die Ausführungen in der Reinschrift noch einmal neu aufgeschrieben werden müssen. Beim E-Examen besteht die Möglichkeit, die Lösungsskizze am Computer zu erstellen, so können die Ausführungen später perfekt weiterverwendet werden. Dadurch kann sehr viel Zeit gespart werden, sodass man am Computer noch mehr Zeit für die Bearbeitung hat.

Häufig gestellte Fragen